2023 Vintage Bike Masters

Klosters, Switzerland


Freitag

Fraggle hatte bereits einen Downhill-Trainingslauf hinter sich...

...als ich gegen Mittag in den Parkplatz der Madrisa Bergbahn einbog. Der Regen gönnte sich gerade eine Pause und die Sonne schaute kurz runter. Aber wirklich nur kurz. Die Wolken hingen in den Bergen fest und glänzten mit regelmässiger, leichter Inkontinenz.


Freitag ist ansonsten Papitag und entsprechend war einiges zu organisieren: Fraggle holt, mir am Morgen die Nummer, Eine Kollegin schaut ab 9 Uhr auf die Kids, Ich bringe sie herausgeputzt da hin und am Nachmittag konnten sie bei Sonnenschein mit dem Patenonkel in den Zoo.


Zurück in den Regen – Ich war bereits angezogen losgefahren und so ging es auf dem Madrisa Parkplatz zügig voran. Isa brachte mir die Nummer und Fraggle kam auch nochmals rauf für seine zweite Trainingsfahrt.

Die Gondelfahrt ging ewig und oben war das selbe Wetter wie unten, einfach kälter. Gut habe ich mir ein Einwegregenponcho besorgt, so blieb mein Yeti-Teamoutfit etwas trockener. 

Oben entdeckte uns auch gleich Henri Lesewitz vom Bike Magazin. Er hatte kurz vorher seine Rockshox 1 zerlegt, denn nach dem Ausfall der Canti-Bremsen fand er mit einer Betontränke erfolgreich Ersatz. Jede Magura Gustav-M aka "Wurfanker", wäre vor Neid erblasst!

Auch die Dresdner Fraktion hatte mit einigen Ausfällen zu kämpfen!

Im Starthäuschen moderierte Franco Marvulli die Sause. Ich war topmotiviert, wollte mich aber zu keiner Risikofahrt hinreissen lassen. Etwas "Tschäderelah" sollte aber dennoch drinliegen. Ich kannte die Strecke ja noch ein wenig von früher, sie war Teil der Originalstecke vom Swissbikemasters.

Die Startuhr zählte rückwärts und LOS! 

…Schlammige, kurvige, mit kantigen Steinen gespickte Alpwiesentrails empfingen mich freudig! Die Panaracer Smoke Reifen hielten gut und schaufelten mächtig Dreck in die Luft. Die folgende kurze Schotterpassage führte uns dann direkt mit einem, je nach Geschwindigkeit und Abdrückmotivation, anständigen Drop in die flowigen wurzelgespickten Wanderwege, die sich fliessend zu einer highspeed Waldabfahrt entwickelten – bis da einer winkend mit Trillerpfeiffe stand und meinte "scharf rechts!" …also voll in die Eisen und scharf rechts weiter über verblockte, rutschige, schlammige Wurzeln, natürlich im falschen Gang, immer steiler und überhaupt! Trotzdem kam ich auch im letzten steil verblockten Abschnitt schadlos durch und dann scharf rechts hoch ins Ziel. Zwei Höhenmeter rauf hat Marvulli gemessen!

Die Zeit war risikofrei, wie erwartet mittelmässig, Platz 17 von 30. Fraggle lag mit seinem Starrbike hochmotiviert auf Rang 13. Ich Weichei fuhr ja mit einer SpeedSprings-getunten Judy DH Federgabel!

Da aufgrund der Kälte und etlichen daheimgebliebenen Schlammverweigerern der Finallauf vorverschoben wurde, gingen wir nach dem Bremsen-Nachstellen auch gleich wieder auf die gemütliche Madrisabahn. 

Leider reichte es nicht ganz für unsere eingeteilten Startzeiten und wir starteten einfach zuletzt. Fraggle als zweitletzter.

Alex – der Organisator und Franco waren beinahe schon festgefroren da oben! Ich machte zuvor noch Planks um eine geschmeidige Einsatztemperatur zu erreichen. 3, 2, 1, LOS!

Mit dem selben risikogeizenden Fahrverhalten ging das Ganze aufgrund der besseren Streckenkenntnis dann doch gefühlt schneller voran. Dummerweise schmirgelten die hinteren Bremsklötze durch die Driftversuche überdurchschnittlich runter und die Bremse fiel fast durch. Wer bremst verliert! Also nichts anmerken lassen.

Auf der letzten Highspeedpassage, bevor es scharf rechts reingeht, stieg dann der Druck merklich an! Denn vom Ziel aus sieht man nämlich die gesamte verblockte Wurzelpassage und ich wollte ja keine Flugschau bieten. Also nochmals tief Luft holen und rechts rein …laute Zuschauerrufe aus dem Farbenbrei links unten bestätigten meine Befürchtung -  meine Augen auf dem Trail – auf der Wurzel – Risikolinie – Vorderrad weg – Fuss am Boden – schlitternde Dreipunktstellung – Pedal wieder einklicken - achherje! Irgendwie blieb ich auf dem Bike und kam heil runter, aber das hat auf keinen Fall elegant ausgesehen! Trotzdem war ich fast 20s schneller als im Trainingslauf.

Einer der da unten im Farbenbrei stand und, das Gedöns auch noch gefilmt hat, war Marco aus Süddeutschland, das Wollen wir natürlich nicht vorenthalten:

Stefan:

Fraggle:

Yeti Lawwill Katapult:

Sieger Benjamin Ott:

 

...und nun ab in die Alphütte zum Aufwärmen mit Kaffee und Kuchen!

Das Ziel war ja halb oben und mittlerweile hat wieder mächtig Regen eingesetzt. So nutzten wir die Asphaltabfahrt um wieder runterzukühlen.

Wieder unten auf dem Madrisa Parkplatz war dann einiges los an der Wasserbrause! Schon geil, die alten Schätze so eingesaut zu sehen! 

Die Kleider und Schuhe waren mit kalter, brauner Schlammbrühe getränkt und mussten schnellstmöglich durch trockene ersetzt werden. Danach gönnten wir uns dann aber trotzdem noch eine gemütliche Bierrunde unter der Sonnen- äh Regenmarkise vom Camper.

Am Abend im schönen Viersterne-Hotel Sunstar fand unter der Leitung von Franco Marvulli der Begrüssungsapero und Rangverkündigung vom ersten vintage DH Rennen in Klosters statt. Gratulation allen Teilnehmern und vor allem dem damaligen und heutigen Sieger Benjamin Ott! Er hat mir mit seiner Siegerzeit von 4:44 eine gute Minute abgenommen! Fraggle verlor 40 Sekunden und wurde 9. Ich blieb im Mittelfeld. Es wurden noch einige Sportlergetränke gezapft und später fanden wir noch eine Pizzeria


Samstag

Am nächsten Morgen waren die harten Jungs und Mädels vom 120er und 75er bereits unterwegs...

... als wir im Hotel am Morgenbuffet verweilten. Wer weise auswählte, hatte den halben Tag was davon, wie Ändu mit dem hartgekochten 3-Minutenei. Wunderbar verpflegt und gemütlich machte ich danach beim Bus auf dem Parkplatz meinen 1981er Sweetheartcycle Motocruiser bereit, als das Telefon klingelte. Alex, der Oranisator, war dran und meinte, dass die Freundin von Chantal Daucourt da sei und ob ich das abgemachte Bike bereit habe. Oh ich dachte sie brauche das Bike für das XC Rennen am Sonntag… Also das auch noch rasch ausladen und Vorderrad rein. Ein Schönes Ibis Avion von 1989.

Es regnete immer noch leicht und wir stülpten alle drei ein Einweg-Regenponcho über. Das hat sich ja bereits am Vortag bewährt. Und fuhren entspannt Richtung Festgelände. 

Da war die Stimmung ausgelassen und Alex übernahm auch gleich das Ibis. Wir gingen an den Horizonte Kaffeestand von Christoph Sauser und plauderten da noch etwas. Die Hotelkaffeebrühe haben wir extra ausgelassen.

Die Speakerin meinte, dass es jetzt dann gleich losgeht und wir einstehen sollten. Gesagt-getan! 3. 2. 1. LOS! 

Gemächlich fuhr die Truppe los und nach der ersten Kurve war bereits die Strasse gesperrt aufgrund eines Kuhtrosses

Wirklich ganz entspannt! Dann gings rund 250 Höhenmeter rauf auf den Schifer, wo der erste Verpflegungsposten auf uns wartete. Kaffee und Gebäck!

Langsam hörte auch der Regen auf, doch die Abfahrt nach Serneus war saukalt! Auch die Strecke dem Bachlauf entlang runter nach Saas, entzog den Händen Wärme. Zum Glück begann dort der Aufstieg zur Madrisa! Die Wärme kam zurück und wir entledigten uns den Ponchos. Ramona hatte auf ihrem Stumpjumper mit XTR M900 zwei Gänge mehr an der Kassette als Ändu auf seinem 1985er Stumpjumper Team und ich auf dem Sweetheart. Deshalb zog sie uns davon!

Eindrittel oben gabs am zweiten Verpflegungsposten Gerstensuppe und Kuchen. 

Trotz dieser leckeren Salzzufuhr bekam Ändu auf dem weiteren Weg zur Madrisa Krämpfe in beiden Oberschenkeln!!! Der Überlebenskampf begann! "Jaaaa Schmerz ist geil! lass ihn zu!" konnte ich mir nicht verkneifen, aber war dann wieder still und genoss das schöne Wetter.

Etwas weiter oben kam auch schon die Madrisabahn und von da gings nicht mehr weit.

An der Stelle wo beim Downhillrennen vom Kiesweg in den Wanderweg gedroppt werden kann, gings runter! Also rein ins Glück! Die Downhillstrecke trocknete bereits etwas ab und war gutmütiger als am Vortag …dafür hatten die Reifen etwas weniger Grip als die Smoke, was sich dann wieder ausglich.

Der Trail vermochte die Krämpfe zu lösen und als wir halb unten am dritten Verpflegungsposten Bündner-Rötali-Shots gereicht bekamen, war das Glück perfekt. Die salzige Bouillon konservierte den krampflosen Ist-Zustand für den restlichen Tag erfolgreich.

Ramona zog mit einer schnelleren Gruppe durch und hatte die Standbetreiber bereits informiert, dass wir wohl etwas mehr Zuneigung brauchen. So bekamen wir noch einen zweiten Kurvenöl-Shot.

Mit Ausnahme eines kleinen Gegenanstieges gings nun nur noch runter Richtung Finisherbier.

Fraggle war auch bereits im Ziel. Nach Tragepassagen durch 30cm Schnee und zwei Platten, warf er das Handtuch.

Besser ergings dem Ibis bei Chantal Daucourt – es habe besser geschaltet als ihr neues! …M732 halt.

Am restlichen Nachmittag verweilten wir auf dem Festgelände bei den Ausstellern und Verkäufern. Die Qualität der ganzen Bikes war wirklich top! Und an den Ständen gab's diverse Perlen zu finden.


Sonntag

Morgens um 8.00 stand als erstes die technische Kontrolle meines 89er FRO's und dem 81er Stumpjumper für Christoph Sauser auf dem Program. Danach gings zurück ins Hotel zum Frühstück. Dann auschecken und ab zum Festgelände die Bikes für den Concours aufstellen. Ich habe taktisch sehr unklug eine 3er Yeti FRO Evolutionreihe aufgestellt, plus den 81er Stumpjumper aus der ersten Serie, der danach von Sauser gefahren werden sollte. Zu meinem Erstaunen hatte der Sweetheart Cycles Motocruiser am Ende gleich viele Besucherstimmen, wie das saugeile Yeti von Christian in türkisgelber Team Dart Lackierung, HED Aerofelgen, Ringlé, Chris King, Cook Bros Racing, etc. alles in türkis eloxiert. Ein Traum! Also mussten wir beide nach vorne und hatten zufällig den gleichen Stylisten.

Meines stand für den Beginn von Yeti, seins für den Höhepunkt, Meins ist von 40 Jahren Einsatz sowas von patiniert, seins wie aus der Schachtel, Meins mit ner Schlammpackung vom Vortag, seins schön mit Wachs poliert. Beide stilecht durchgezogen, ich hätte nicht entscheiden wollen!

Die Zuschauer übernahmen dies dann mit Applaus, für den man normalerweise eine Lärmbewilligung brauchen würde. Anscheinend hatte das Volk bereits genügend Alkohol intus und wollte "meh Dräck!" ...nun hab ich den Festivalpass für's nächste Jahr gewonnen und muss wieder ran! …hoffentlich aber mit "weniger Dräck!"

 

In einer guten Stunde stand nun noch das XC Rennen an! Alles schön vorbereitet gab's noch ein Iso-Getränk und ein paar Schalt- und Bremsversuche – alles paletti! Das FRO Landshark nehm ich ja "for racing only" –Typisch nur für Renneinsätze raus.

Eine halbe Stunde vor dem Start kam Fraggle noch wegen einem Speichenschlüssel. Bei seinem Vorderrad haben sich irgendwie alle Speichen gelöst. 15min später war aber auch dieses Problem behoben. 

Henri war topmotiviert und Sauser noch 5 min vor dem Start seelenruhig am Sattelstellung vom Stumpjumper einstellen. 

Ich wollte und konnte langsam starten und stand in die hinterste Reihe ein. Mein Ziel war ja in den 3 Runden nicht überrundet zu werden, was in meinem Zustand eine mittlere Herausforderung darstellt!

3.2.1. LOS! Die Speakerin machte Stimmung und die Zuschauer Lärm! Also gab auch ich etwas Gas, merkte aber schnell, dass ich das schrittweise angehen muss. 

Die Strecke verlief gegen den Bachlauf und die Höhenmeter summierten sich gemächlich. 

Ganz hinten drehte der Kurs und es ging wieder runter, bis es scharf links rauf ging. Richtig rauf! Also wirklich so richtigrichtig rauf!! Die meisten bei mir hinten liefen. Und es war lang sehr lang! Wenn man dachte da oben seis dann oben, sah man wieder zwei Kurven weiter nach oben. 14% Durchschnitts-Steigung 1.5km lang! Das war übel! Aber der anschliessende Downhill und das Hauseckenrennen durchs Dorf entschädigten vollumfänglich!

Der Weg dem Bach entlang war flowig und schnell. Unsere Profifotografin Isa und das frisch entdeckte Talent Ändu, feuerten drauflos! Besten Dank!

Die Stimmung bei der Zieldurchfahrt war top! Also rein in die zweite Runde! Auf Temperatur gekommen, gings bereits etwas besser dem Bach entgegen, als in der ersten Runde. Im Uphill dann wieder Schrittempo. Das weiss ich zufällig, weil neben mir einer sein Yo Eddy raufschob und in etwa gleich langsam oben war. Fast zuoberst angekommen, sah ich ganz unten im Aufstieg den Susi-Schnellzug im Gipfelsturm! Das war mal so richtig beeindruckend!

Ich fühlte mich dadurch fast ein wenig gestresst und nahm den Downhill zügig in Angriff. Wieder richtig hammer, doch irgendwie schwammig hinten. Runterschauen, shit Schleicher! Also möglichst schonend weiter und hoffen, dass es ins Ziel reicht! 

Unsere Fotocrew verschob sich inzwischen zum Wiesendownhill...

...und etwas weiter unten

ganz unten kam zum Schluss Christoph Sauser direkt hinter mir...

Um die Hausecken auf den letzten Metern, lenkte das Hinterrad auch mit – sprich es schmierte kontrolliert nach aussen. Ich spürte bereits den Stumpjumper im Rücken! Also einfach die letzten Ecken noch durchdrücken und rein ins Ziel! Handykamera raus und den Zielsprint von Susi auf dem Stumper fotografieren. Und auch Fraggle kam mit etwa 10 Minuten Rückstand rein.

Als letzter nicht-Überrundeter hätte ich noch die letzte Runde fahren dürfen, doch dann hätte ich zuerst noch den Platten flicken müssen und hätte die ganze Party verpasst.

Schliesslich hatte ich noch zwei Siegerbikes zu feiern!

...und natürlich die echten Sieger des Tages:


 

Hier ist noch der Promiauflauf:

Henri Lesewitz / Bike Magazin

Mike "The Bike" Kluge (der hatte "Rücken" und fuhr nicht mit) /

Giovanna Bonazzi (voller Freude mit dem E-Bike auf dem Joyride dabei)

Chantal Daucourt (Mit dem Trek Softtail auf dem Joyride dabei)

Christoph Sauser (Rockte das XC und sorgte für anständigen Kaffee)

Silvia Fürst (auch sie fuhr den Joyride mit)


 

Hier noch die Eckdaten vom Anlass:

  • es waren fast 70 Helfer im Einsatz, die bei teils garstigen Wetterverhältnissen für Sicherheit , Fahrspass und leibliches Wohl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesorgt und danach bis gestern Montag 17:22 alles wieder aufgeräumt haben, die meisten unentgeldlich
  • Total leisteten Veranstalterteam und Helfer über 1500 Einsatzstunden
  • Angemeldet waren rund 215 Einzelteilnahmen verteilt über die Rennen & Genussfahrten Tatsächlich gestartet sind 31 beim DH, etwas über 80 bei den Joy Rides (fast alle auf dem 30er) und etwa 35 beim XC
  • 500+ km Anreise haben viele TeilneherInnen auf sich genommen (aus Ungarn, Belgien, Holland, Italien, Dresden undundund …
  • 27 Bikes waren beim Concours
  • das Gesamtbudget für den Anlass lag bei ziemlich genau 100 000. Gedeckt wird dieses durch 20 000 Teilnahmegebühren, 10 000 Sponsoreneinnahmen, 20 000 Defizitgarantie der Destination und 50 000 Tasche des Veranstalters
  • Es hat 100% Freude bereitet
  • Ein solider Grundstein ist gelegt!
  • am 20-22.9.2024 ist das Vintage Bike Masters 2